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Carla Guagliardi

"In den Arbeiten von Carla Guagliardi hängen vermeintlich fragile Skulpturen von der Decke, schweben mit Wasser gefüllte Glaskugeln im Raum oder ballen sich weiße, mit Heliumgefüllte Ballons zu amorphen Skulpturen. Die matten Brauntöne der Latexbänder und das tiefe Schwarz der Eisenstäbe, die sich be „O Lugardo Ar“ zu einem raumfüllenden Mobile verbinden, unterstreichen zudem die visuelle Bedeutung von Farben, Materialien und Oberflächen in ihrem Werk. Anderswo schimmern Kupferrohre im Wasser - das sich sonst exakt in solchen Rohren versteckt. Ein sinnliches Experiment, das die Gesetze des Alltags aushebelt und den Betrachter für Phänomene sensibilisiert, die er sonst schnell übersieht. Und ein Versuch, Zeit sichtbar zu machen und die Schwerkraft temporär zu überwinden."
Der Tagesspiegel, 16.2.2013

Webseite der Künstlerin

Ausstellungen

O Lugar do Ar (Der Raum der Luft), 2014, 21.9.-26.10.2014 National Museum and the Racyznski Library, Poznan
Evelina Cajacob | Carla Guagliardi, Galerie m Bochum, 30. August 2013 bis 11. Januar 2014
O lugar do ar, 20.3.-17.5.2009, Museu de Arte Moderna do Rio de Janeiro (MAM)
Schwerelos, 14.11.08 - 22.2.2009, Haus am Waldsee, Berlin
Un mar e dois desertos (Ein Meer, zwei Wüsten), 24. Januar - 17. April 2004, Galerie m Bochum
 
Statement

"Wo ist die Zeit geblieben, die ich in diesem Raum verbracht habe?"

Ich bin eine Künstlerin aus Brasilien und lebe sowie arbeite in Rio de Janeiro als auch in Berlin. In den letzten Jahren habe ich einen künstlerischen Weg eingeschlagen, der sich aus einer vorherrschenden Skulptur-Forschung entwickelt hat. Diese Forschung beschäftigte sich mit Zeit als entscheidendem Faktor unter anderen Aspekten.

Ich experimentiere mit "Nähe" verschiedener Materialien, wie z.B. Wasser, Plastik, Eisen, Glas, Kupfer, Staal, Baumwolle, Pflanzen u. a., indem ich das Phänomen Zeit (den Ablauf der Zeit) erfasse und ihre unmittelbaren Auswirkung auf Materie und Raum erhebe.

Wie meine hier ausgestellten Bilder zeigen, gibt es eine poetische Sprache, die einen Austausch zwischen internen organischen, flüssigen Substanzen ermöglicht und dabei Raum für Möglichkeiten sowie Spekulationen lässt. Dennoch kann keine künstlerische Arbeit von der subjektiven Absicht des Künstlers getrennt werden, selbst wenn es nur um rein physische und materielle Beschaffenheiten geht. Die hier kombinierten Materien schaffen eine Verbindung, aus der sich durch die Kombination wiederum neue materielle Beschaffenheiten entwickeln, in deren Mittelpunkt in den meisten Fällen physische Begriffe wie Gleichgewicht, Dichte, Materie, Kapilarität, usw. stehen. Diese Arbeiten, in denen der physische Charakter nicht virtuell, symbolisch oder beispielhaft besteht, sondern im wahrsten Sinne des Wortes, sind dennoch subjektive und emotionale Konstrukte bzw. Zusammensetzungen.

Meine Absicht ist es, mit derartigen Projekten fortzufahren und manche ästhetischen und äußerlich sichtbaren Aspekte zu vervollkommnen, die als Fragen im Laufe meiner Arbeit und der dabei gesammelten Erfahrung aufgetreten sind. Ich möchte weiter mit dem Raum in seiner Ausdehnung und der darin verkörperten menschlichen Angst arbeiten, möchte mit Konfrontation, Paradoxie und Brechung auf die sich permanent verändernde Wahrnehmung anspielen, um letztlich von der Ungewissheit und dem Wankelmut heutiger Lebensformen zu sprechen.

Illustrations

Às Parcas e ao Edi (For the Parcae and for Edi), 1995, sphere of glass with three mouths, water (11 liters), different bunches of fine threads (steel, copper, and cotton), diam.: 0,45 m/different dimensions: The 3 bunches cross the sphere (each one entering through a different mouth) and form a triangle inside the water; they are made each bunch of a different material. They hang the piece in a tension that is emphasized by their relational position in the space. The reaction of the materials in contact with the water differs, for instance: the bunch of steel is the most responsible for carrying the piece and does not spoil - the copper one gives it the right balance being fixed in a deep diagonal and rusts a bit - and the extremities of the bunch of cotton are fixed below the sphere emphazising the low resistence of this material inside the water.

Untitled, 1993, sphere of glass (different diameter), pipe of copper, water (different dimensions): The pipe of copper is lightly touched by the water. The balance of the piece is given by this fragil relation between water and pipe. At the same time, the balance is been threatened by the erosion that occurs beetween them.

O Lugar do Ar (The Place of the Air), 2000, bars of iron and bands of latex, different dimensions: Bars of iron with 164 cm, 82cm, 41cm and 20,5cm hang from the ceiling through elastics of different sizes, forming a kind of labyrinth. The spacial dimension is given through this horizontal trajectory in the space while the temporal dimension is achieved through the expansion of the elastics in the verticallity. The whole installation has one center of gravity due to the interdependence of all pieces. The effect of this action (the gravity) occurs in different durations according to the different elastics, giving the installation a constant but almost imperceptible change of appearance.