Ausstellungsinformationen
Building Materials (Nest)
Anja Bohnhof, Thomas Florschuetz, Franka Hörnschemeyer
Anino Kannisto, Tanya Poole
Der Titel der Ausstellung ist dem gleichnamigen Werk von Tanya Poole entlehnt: eine großformatige Tuschelavur-Malerei, die ein Vogelnest aus der Sammlung des Albany Natural History Museums in Südafrika zeigt. Wie so häufig bei Poole überträgt sie ihr winziges Motiv meisterhaft in ein realistisches, monumentales Bild, das in der Ausstellung über dem Raum zu schweben scheint und über die Größe die Betrachtung der detaillierten Strukturen ermöglicht. Gleichzeitig entsteht eine subtile Bildwirkung, die über die bloße Bewunderung und Nachahmung hinausweist – und eine treffende Assoziation zum Ort der Ausstellung liefert.
Denn der Titel ist Programm für die gesamte Ausstellung. Wie ein schützendes Nest liegt der Galerieraum in der oberen Etage einer kleinen Fabrik im Hof der Krummacher Straße 36. In der unteren Etage, im Hof und im angrenzenden Wohnhaus mit dem alten Eissalon („Mimi e Rosa solo Vino“) schreitet die Sanierung der historischen Bausubstanz mit großer Sorgfalt voran. Aktuell befinden wir uns in einem Stadium, das immer wieder unfertig und roh anmutet – ein Zustand des Werdens, der die Wahrnehmung der Gäste und den Dialog mit den Kunstwerken unmittelbar prägt. Der Bauprozess zeigt die Extreme der Veränderung: Abriss und Aufbruch, Entkernung und Entdeckung, langsamer Neuaufbau und Formfindung.
Die Ausstellung reagiert direkt auf diese besondere Situation: Die Werke thematisieren nicht nur Materialien und Prozesse des Bauens, sondern verweisen auf den Wunsch nach Freiraum und einem Ort des Schutzes, des Rückzugs und des Werdens. Die Galerie m „sitzt“ wie ein Nest inmitten eines historischen Ensembles im Wandel.
Die Werke der Ausstellung
Jedes Element der Ausstellung demonstriert, wie Struktur, Schutz, Stabilität oder Leben in einer durchaus prekären Welt geboten werden kann – eine Welt, in der Entstehendes „ausgebrütet“, den Unbilden der Umstände abgerungen oder vor dem Verfall, dem Abbruch und der Zeit geschützt werden muss.
Tanya Poole, die in Frankreich lebende Künstlerin, kommentiert die Werkauswahl, die sich zu ihrer großformatigen Tuschelavur-Malerei Building Material (Nest) von 2019 gesellt: „Mir gefällt die Gegenüberstellung der Werke. Baumaterialien als Arbeit, Natur als Baumaterial, Arbeit der Frauen. Das Nestbauen und Bauen als genetischer Instinkt und zugleich als weibliche Stärke, wie im Porträt von Sufiya Bibi. Auch das Foto der Kinder Little Angels mit dem Spiegelbild des Waldes passt perfekt in diese Werkauswahl.“
„Building Materials" – die Materialien des Bauens – sind wortwörtlich die Gipskartonplatten, die Franka Hörnschemeyer für ihre Arbeit GK UA, 2003–23, verwendet hat, ein Material das sie in ihrer langjährigen künstlerischen Praxis erforscht, fasst möchte man sie als Bauarchäologin bezeichnen. In ihrer knapp 17-stündigen Audioarbeit GKF (Gipskartonfeuerschutz) hören wir ihre Stimme, die aus Architekturplänen gesammelte Begriffe spricht.
Die Fensterbilder der Malerin Caroline von Grone aus dem Projekt Himmelsleiter wurden kurz vor dem endgültigen Abbruch der Gebäude gemalt. Von 2011 bis 2012 dokumentierte sie malerisch den Prozess des Verschwindens dieser Nachkriegs-Siedlung in Kiel. Die Serie zeigt Blicke in geisterhaft anmutende, entkernte Häuser sowie deren Aneignung durch Graffiti oder den Wildwuchs der Natur. Dem gegenüber stehen die farbenfrohen Fenster der Serie Palermokirschen (2009) – Bilder von Licht- und Schattenspielen, die die heitere Stimmung des Frühlings einfangen.
In der Schwarz-Weiß-Fotografie ohne Titel (SBM) 12, 2022, aus Thomas Florschuetz‘ Serie "Sítio Burle Marx" durchdringen sich eine architektonische Pergolastruktur mit herabfließendem Wasserfall und die sich darin verwebenden Blattstrukturen tropischer Pflanzen. Der 80 Hektar große Garten des Landschaftsarchitekten vereint eine überwältigende Pflanzensammlung mit Relikten abgerissener Häuser aus Rio de Janeiro. Florschuetz‘ Serie vereint hier zwei für ihn zentrale Genres: Pflanzen und Architektur.
Verschmitzt schauen die Little Angels von Aino Kannisto aus einem Fenster, in dem sich ein Wald spiegelt, und verfolgen die Besucher mit ihrem Blick. Die Fotografie stammt aus der Serie Children Pictures (2015–16), die sich mit der fantasievollen Welt von Kindern auseinandersetzt und deren spielerische Konstruktionen und Rollenspiele als Schaffung imaginierter Welten zeigt
Und schließlich das strahlende, kraftvolle Porträt von Sufiya Bibi, das Anja Bohnhof im Rahmen ihres Projekts Krishak - Yield of Time (2017–2018) schuf. Es zeigt eine Inderin, die einen gerade geernteten Reisstroballen mit Leichtigkeit unter dem Arm trägt. Durch den für die Fotografie installierten Bildhintergrund nicht zu sehen, steht sie mit bloßen Füßen fest in ihrer Welt – einer archaischen Agrarlandschaft, die sich bislang jeglicher Transformation erwehrt hat.
Rahmeninformationen
Für viele Menschen sind Baustellen beunruhigend – ein notwendiges Ärgernis. Doch sie sind auch der konstruktive Grundstein für Neues. In der Krummacherstraße 36 im Duisburger Dellviertel, in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, heißt es nach wie vor „Work in Progress“ – mit vielen Unwägbarkeiten und Überraschungen. Aus diesem Grund gibt es aktuell keine regulären Öffnungszeiten.
Ein Besuch ist jedoch nach vorheriger Terminabsprache per E-Mail an mail@galerie-m.com oder telefonisch unter 0203-39224886 gerne möglich.
Die galeristische Tätigkeit findet wie gewohnt in Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern, Nachlässen, Museen, Unternehmen und Sammlerinnen und Sammlern statt.
Anino Kannisto, Tanya Poole
Der Titel der Ausstellung ist dem gleichnamigen Werk von Tanya Poole entlehnt: eine großformatige Tuschelavur-Malerei, die ein Vogelnest aus der Sammlung des Albany Natural History Museums in Südafrika zeigt. Wie so häufig bei Poole überträgt sie ihr winziges Motiv meisterhaft in ein realistisches, monumentales Bild, das in der Ausstellung über dem Raum zu schweben scheint und über die Größe die Betrachtung der detaillierten Strukturen ermöglicht. Gleichzeitig entsteht eine subtile Bildwirkung, die über die bloße Bewunderung und Nachahmung hinausweist – und eine treffende Assoziation zum Ort der Ausstellung liefert.
Denn der Titel ist Programm für die gesamte Ausstellung. Wie ein schützendes Nest liegt der Galerieraum in der oberen Etage einer kleinen Fabrik im Hof der Krummacher Straße 36. In der unteren Etage, im Hof und im angrenzenden Wohnhaus mit dem alten Eissalon („Mimi e Rosa solo Vino“) schreitet die Sanierung der historischen Bausubstanz mit großer Sorgfalt voran. Aktuell befinden wir uns in einem Stadium, das immer wieder unfertig und roh anmutet – ein Zustand des Werdens, der die Wahrnehmung der Gäste und den Dialog mit den Kunstwerken unmittelbar prägt. Der Bauprozess zeigt die Extreme der Veränderung: Abriss und Aufbruch, Entkernung und Entdeckung, langsamer Neuaufbau und Formfindung.
Die Ausstellung reagiert direkt auf diese besondere Situation: Die Werke thematisieren nicht nur Materialien und Prozesse des Bauens, sondern verweisen auf den Wunsch nach Freiraum und einem Ort des Schutzes, des Rückzugs und des Werdens. Die Galerie m „sitzt“ wie ein Nest inmitten eines historischen Ensembles im Wandel.
Die Werke der Ausstellung
Jedes Element der Ausstellung demonstriert, wie Struktur, Schutz, Stabilität oder Leben in einer durchaus prekären Welt geboten werden kann – eine Welt, in der Entstehendes „ausgebrütet“, den Unbilden der Umstände abgerungen oder vor dem Verfall, dem Abbruch und der Zeit geschützt werden muss.
Tanya Poole, die in Frankreich lebende Künstlerin, kommentiert die Werkauswahl, die sich zu ihrer großformatigen Tuschelavur-Malerei Building Material (Nest) von 2019 gesellt: „Mir gefällt die Gegenüberstellung der Werke. Baumaterialien als Arbeit, Natur als Baumaterial, Arbeit der Frauen. Das Nestbauen und Bauen als genetischer Instinkt und zugleich als weibliche Stärke, wie im Porträt von Sufiya Bibi. Auch das Foto der Kinder Little Angels mit dem Spiegelbild des Waldes passt perfekt in diese Werkauswahl.“
„Building Materials" – die Materialien des Bauens – sind wortwörtlich die Gipskartonplatten, die Franka Hörnschemeyer für ihre Arbeit GK UA, 2003–23, verwendet hat, ein Material das sie in ihrer langjährigen künstlerischen Praxis erforscht, fasst möchte man sie als Bauarchäologin bezeichnen. In ihrer knapp 17-stündigen Audioarbeit GKF (Gipskartonfeuerschutz) hören wir ihre Stimme, die aus Architekturplänen gesammelte Begriffe spricht.
Die Fensterbilder der Malerin Caroline von Grone aus dem Projekt Himmelsleiter wurden kurz vor dem endgültigen Abbruch der Gebäude gemalt. Von 2011 bis 2012 dokumentierte sie malerisch den Prozess des Verschwindens dieser Nachkriegs-Siedlung in Kiel. Die Serie zeigt Blicke in geisterhaft anmutende, entkernte Häuser sowie deren Aneignung durch Graffiti oder den Wildwuchs der Natur. Dem gegenüber stehen die farbenfrohen Fenster der Serie Palermokirschen (2009) – Bilder von Licht- und Schattenspielen, die die heitere Stimmung des Frühlings einfangen.
In der Schwarz-Weiß-Fotografie ohne Titel (SBM) 12, 2022, aus Thomas Florschuetz‘ Serie "Sítio Burle Marx" durchdringen sich eine architektonische Pergolastruktur mit herabfließendem Wasserfall und die sich darin verwebenden Blattstrukturen tropischer Pflanzen. Der 80 Hektar große Garten des Landschaftsarchitekten vereint eine überwältigende Pflanzensammlung mit Relikten abgerissener Häuser aus Rio de Janeiro. Florschuetz‘ Serie vereint hier zwei für ihn zentrale Genres: Pflanzen und Architektur.
Verschmitzt schauen die Little Angels von Aino Kannisto aus einem Fenster, in dem sich ein Wald spiegelt, und verfolgen die Besucher mit ihrem Blick. Die Fotografie stammt aus der Serie Children Pictures (2015–16), die sich mit der fantasievollen Welt von Kindern auseinandersetzt und deren spielerische Konstruktionen und Rollenspiele als Schaffung imaginierter Welten zeigt
Und schließlich das strahlende, kraftvolle Porträt von Sufiya Bibi, das Anja Bohnhof im Rahmen ihres Projekts Krishak - Yield of Time (2017–2018) schuf. Es zeigt eine Inderin, die einen gerade geernteten Reisstroballen mit Leichtigkeit unter dem Arm trägt. Durch den für die Fotografie installierten Bildhintergrund nicht zu sehen, steht sie mit bloßen Füßen fest in ihrer Welt – einer archaischen Agrarlandschaft, die sich bislang jeglicher Transformation erwehrt hat.
Rahmeninformationen
Für viele Menschen sind Baustellen beunruhigend – ein notwendiges Ärgernis. Doch sie sind auch der konstruktive Grundstein für Neues. In der Krummacherstraße 36 im Duisburger Dellviertel, in der Nachbarschaft des Lehmbruck Museums, heißt es nach wie vor „Work in Progress“ – mit vielen Unwägbarkeiten und Überraschungen. Aus diesem Grund gibt es aktuell keine regulären Öffnungszeiten.
Ein Besuch ist jedoch nach vorheriger Terminabsprache per E-Mail an mail@galerie-m.com oder telefonisch unter 0203-39224886 gerne möglich.
Die galeristische Tätigkeit findet wie gewohnt in Kooperation mit Künstlerinnen und Künstlern, Nachlässen, Museen, Unternehmen und Sammlerinnen und Sammlern statt.
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Tanja Pool, Franka Hörnschemeyer, Thomas Florschuetz
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Thomas Florschuetz, Caroline von Grone
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Caroline von Grone, Aino Kannisto
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Anja Bohnhof, Caroline von Grone
