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Claus Goedicke

"Die klassische Stilllebenmalerei hat uns gelehrt, nach dem Hintersinn der Stillleben zu fragen. Selten verweisen die dargestellten Gegenstände nur auf sich selbst (...). Sehr viel häufiger geht es den Malern und Betrachtern um die allegorische Bedeutung der dargestellten Gegenstände. In der Moderne sind diese Aspekte zurückgetreten. Das Stillleben dient verstärkt als ein Mittel zu Untersuchung kunstimmanenter Fragen, wie dem Verhältnis von Raum und Fläche, von Form und Farbe. Claus Goedicke steht in dieser Traditionslinie der Moderne. Oszillierend zwischen Sachaufnahme und Stillleben gelingt ihm die Austarierung fotografischer Mittel mit Möglichkeiten der malerischen Bildfindung, wie auch die Umformung von Darstellungsweisen, wie sie in der Werbung zu finden sind, in eine eigene Bildsprache. Mit den Mitteln der Farbfotografie geht er dem Verhältnis von Formen zu Fläche und Raum, von Linie zu Körper, von Bild zu Spiegelbild, von Licht und Dunkelheit nach, untersucht Farbklänge, Farbkontraste und Farbharmonien."
Kurt von Figura, Franz Joseph van der Grinten: Vorwort, in: Ausst. Kat. Kunstverein Göttingen, Museum Schloss Moyland 2001: Claus Goedicke. S. 5.

Ausstellung still in der Galerie m Bochum
 
Eau de Cologne, 2013
C-Print, gerahmt
59,4 x 42 cm (62 x 44 cm)
Some Things
Claus Goedickes Bild-Protagonisten sind z.B. eine Möhre, ein benutzter Spüllappen oder eine Blutkonserve. Zentral werden diese in seinen großformatigen Fotografien auf bekannten aber nicht näher spezifizierten Untergründen platziert. Die Konzentration auf ein einzelnes Alltagsobjekt erlaubt dem Betrachter einen verblüffenden Blick auf Dinge, die wir in dieser übergroßen, präzisen Weise so niemals als Ganzes oder in ihren vielen Details betrachten. Wir sind konfrontiert mit unserem Verständnis von den Dingen, unserem Verhältnis zu ihnen, Erinnerungen und Assoziationen. Die Ware wird so zum Untersuchungsgegenstand ihrer materiellen Präsenz, ihres symbolischen Charakters und ihrer persönlichen Geschichte.

Maren Polte über Some Things
Alle Bilder der Serie Some Things
Claus Goedicke
Schmierfett, 2012
Archival Pigment Print
ca. 18 x 22,5 cm (21 x 29,7 cm)
Köhles Schuppen
"Die Bilder aus 'Köhles Schuppen' sind für mich gleichermaßen Nukleus und Gegenentwurf zu den inszenierten Dingen innerhalb meines Werkes.
In den Schuppen-Bildern herrscht eine andere Ordnung, ein anderes Licht und eine andere Atmosphäre. Das Eintauchen in einen fremden Ort, der nicht mein Studio ist, und wo ich die Dinge nicht wähle, sondern vorfinde, wo eine andere Person das "Arrangement" der Gegenstände übernommen hat, übt auf mich eine große Faszination aus. Es ist eine andere Art des Sehens, eine andere Möglichkeit der Wahrnehmung, die sich eröffnet."

Alle Bilder der Serie Köhles Schuppen
XI-518, 2003
C-Print, Diasec
245 x 115 cm
Monochrome
Goedickes Interesse gilt den Alltagsgegenständen und darüber hinaus auch der Beziehung zwischen Objekt und Bildraum. Die Farbgestaltung seiner Fotografien spielt hierbei eine wesentliche Rolle, die in den monochromen Bildern (2001-2003) auf besondere Weise zum Ausdruck kommt.

"Die Plastikgefäße sind die Protagonisten meines Forschen über die Möglichkeiten der Farbe in der Fotografie."
Claus Goedicke, 2016

Die Reduktion der Bildelemente und die subtilen Bildinformationen ermöglichen eine konzentrierte Betrachtung von Farbe, Form, Licht und Materialität.

Ausstellung "Monochrome", Galerie m Bochum, 2016
VII 34, 1999
C-Print, Diasec
83 x 70 cm


Stillleben
"Die Akteure von Goedickes Stillleben entstammen einem Arsenal von Plastikflaschen und deren Verschlusskappen, die der Fotograf im Laufe der Jahre zusammengetragen hat. Jedes Bild entsteht aus einem längeren Prozess des Abtastens formaler und farblicher Äquivalenzen zwischen den einzelnen Objekten. Es existieren Bilder einzelner Flaschen, aber die Regel sind Gruppen, Ensembles, bei denen es um Korrespondenzen geht: Wie haben sie zueinander zu stehen, welches sollte ihre Position im Raum sein? Vor allem aber interessiert Goedicke, wie sich die vermeintliche Identität des einzelnen Dings verändert, wenn es mit anderen in einen Dialog tritt, und was geschieht, wenn es vor einem neuen Hintergrund platziert wird. Dies scheinen formale Fragen, hinter denen jedoch die grundsätzliche Fragwürdigkeit der Wirklichkeit aufleuchtet. Gemeint ist ihre Prozessualität, ihre stetige Wandlung in der Sichtbarkeit, deren Grund und Begriff wir nicht kennen, für deren Erfahrung die Kunst der Moderne jedoch in vielfältigen Anläufen eine bildliche Sprache entwickelt hat."

Heinz Liesbrock: Zwischen dem Sichtbaren. Claus Goedickes Stillleben, in: Ausst. Kat. Kunstverein Göttingen, Museum Schloss Moyland 2001: Claus Goedicke. S. 71-83.