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Ausstellungsinformationen

Thomas Florschuetz
Framing
14. November 2020 bis 30. April 2021
 
Die Galerie m zeigt in der Ausstellung „Framing“ fotografische Arbeiten des Berliner Künstlers Thomas Florschuetz (*1957 Zwickau), mit dem sie eine mittlerweile 20jährige Zusammenarbeit verbindet. Neben der gleichnamigen Serie umfasst die Ausstellung Werke aus den Serien Jaca, 2010/20, Konstruktion, 2019, Projektion, 2020 und Osterspaziergang, 2020.

Das von Le Corbusier in den späten 50er Jahren erbaute Dominikanerkloster La Tourette bei Lyon ist Ausgangspunkt der Serie Framing. In diesen Arbeiten zeigt Florschuetz in reduzierten Ausschnitten signifikante Elemente dieser Architektur. Er schafft Bildkompositionen, deren Dynamik durch die Linien der Bauelemente, der Oberflächenstruktur, der Farbgebung und der jeweiligen Lichtsituation inspiriert sind. Besondere Bedeutung kommt dabei den Fensterkonstruktionen und den Oberlichtern in der Decke dieses Gebäudes zu. Minimale Abweichungen der Perspektive führen zu immer wieder neuen, in weiten Teilen abstrakt wirkenden Bildern, deren Architekturbezug in den Hintergrund tritt und nur noch in vereinzelten Bereichen präsent ist. So wechselt die Wahrnehmung zwischen Flächenkomposition und Tiefenwirkung, zwischen abstraktem Bild und einem physisch-räumlichen Empfinden. Die großformatige dreiteilige Arbeit ohne Titel (Framing) 03 verdeutlicht durch die implizierten fensterartigen Ausblicke die besondere Qualität der spezifischen Bildfindung des Künstlers. Sie sensibilisieren uns für den feinen Grad zwischen Illusion und Abbild. Die wechselnden Blickwinkel und die variierenden Ausschnitte muten in ihrer Gesamtheit kubistisch an und schaffen ein eigenständiges, von Thomas Florschuetz konstruiertes Bildwerk, das unser Sehen herausfordert und gleichzeitig hinterfragt.

Die tropische Frucht Jaca, auch Jackfruit genannt, ist Motiv einer weiteren Serie. Florschuetz inszeniert die imposante Frucht 2010 aus verschiedenen Blickwinkeln, als sie hierzulande noch weitestgehend unbekannt war. Er öffnet ein Spannungsfeld zwischen Vertrautem und Fremdem,
der Frucht an sich und ihrer Darstellung. Die stachelige Außenhaut symbolisiert Wehrhaftigkeit und Schutz, der Blick ins Innere der angeschnittenen Frucht offenbart gleichzeitig ihre Verletzlichkeit. Die besondere Oberflächenstruktur macht die Jackfruit als plastisches Objekt so spannend, da die Lichtreflexionen Volumen und Form der Frucht scheinbar verändern.

Auch die aktuelle Serie Projektion (2020) beschäftigt sich mit der Wahrnehmung von projiziertem Licht, die vom Lichteinfall und besonders von der Beschaffenheit der Projektionsfläche abhängt. Hierfür fotografiert Thomas Florschuetz das durch die Lamellen einer Jalousie auf eine Gardine fallende Licht. Die Perforationen der Lamellen funktionieren dabei wie Linsen, die das Licht bündeln und auf die dahinterliegende Projektionsfläche – eine Gardine – projizieren. Im Spiel mit Unschärfe und Schärfe, Licht und Schatten, reflektiert Florschuetz den Akt des Fotografierens an sich: das Einfangen von Licht. Gleichzeitig greift er mit diesem Motiv ein Sujet seiner ersten Ausstellung in der Galerie m vor 20 Jahren auf, in der die frühe Serie der Vorhänge zu sehen war.

Osterspaziergang (2020) zeigt seriell angeordnete Fotografien eines gleichbleibenden Motivs: den provisorisch mit einer blauen Plastiktüte verdeckten Wegweiser der staatlichen Museen zu Berlin vor der James Simon Galerie. Aus dem immer gleichen Blickwinkel fotografiert, zeigt sich das Schild mit seiner Beschriftung in unterschiedlicher Weise. Die Verhüllung lässt mal mehr, mal weniger vom Text durchscheinen, bläht sich mal stärker, mal schwächer auf. Zu Ostern 2020 von Florschuetz beobachtet und fotografiert ist der Blick auf diese Serie auch eine Retrospektive auf die Zeit des ersten Lockdowns. Eine nie dagewesene und nun wieder aktuelle Situation, die sich in der hilflos anmutenden Geste des improvisierten Verhüllens zeigt, in der vertraute Orientierungspunkte durch äußere Einwirkung in ihrer Lesbarkeit verschwimmen.

Thomas Florschuetz verdeutlicht mit seiner aktuellen Ausstellung einmal mehr, was Fotografie an sich und seine Rolle als ein die Welt mit der Kamera wahrnehmendes Individuum eigentlich bedeutet: Er sichtet, wählt intuitiv aus und erschafft auf diese Weise neue Kontexte und Strukturen. Die von Florschuetz fotografisch konstruierten Bilder ermöglichen neue Perspektiven und Sichtweisen.
Ohne Titel (Framing) 15, 2019/20
Ohne Titel (Jaca) 02, 2010/19
Ohne Titel (Projektion) 05, 2020

Ohne Titel (Osterspaziergang) 12, 2020