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Lena von Goedeke

Lena von Goedekes Werke – in akribischer Handarbeit gefertigte Scherenschnitte, massive, dabei fast schwebende Landschaften aus Zement, feine, sich über die ganze Wand ziehende Zeichnungen – muss man im Original betrachten um sie zu begreifen. Der feine, staubige Sand des Zements, der an den Rändern weggerieselt ist und eine karge Landschaft hinterlassen hat; das Glitzern und Leuchten einer zu plastischen Mustern geschnittenen Reflektorfolie: Das Material, seine Beschaffenheit und die Oberflächen bannen den Blick und werfen Widersprüche und Fragen auf.
 
Habitable Zone II, 2019
Arctic Circle
Drei Wochen war Lena von Goedeke um Spitzbergen auf Reise, knapp zwei Wochen verbrachte sie zusammen mit 34 anderen Menschen an Bord der Barkentine Antigua. Ihre Erlebnisse und Eindrücke sammelte sie im The arctic blog, gleichzeitig prägen sie ihre Arbeiten, die im Anschluss und als Reaktion auf diese Reise entstanden sind.
Detail Lot VI, 2018
Lots
Landschaft steht als Motiv in vielen Arbeiten Lena von Goedekes im Mittelpunkt. Hier vereint sich vieles von dem, was sie beschäftigt. Dabei spielt ihr persönliches Erleben teils extremer Landschaften auf Reisen und Wanderungen für die Entstehung neuer Werke eine zentrale Rolle.
Die Muster und Strukturen der Lots scheinen in ihrer Perfektion und Systematik maschinellen Prozessen entsprungen zu sein, was tatsächlich auch so ist: Das dreidimensionale Netz des Scherenschnitts wurde von der Künstlerin mithilfe eines Computerprogramms zur Erstellung virtueller Welten entworfen und dann in beharrlicher Handarbeit ausgeschnitten.
Detail Radar II, 2018
Radar
Das Radarverfahren als eine der ersten remote sensing-Techniken der Menschheit hat als satellitenbasierter Georadar einen besonderen Stellenwert bei der Erforschung, Vermessung und Dokumentation der Erdoberfläche und Kruste. Im Gegensatz zu anderen Techniken ist es dem Radar möglich, auch an bewölkten Tagen oder nachts die Erdoberfläche zu scannen, und ist rein optischen Verfahren wie der Triangulation oder eben dem menschlichen Blick gegenüber im Vorteil.
Zombie (7), 2018
Zombies
"Der Schritt vom Modell zur räumlichen Intervention und Installation vollzieht sich [...] im Einsatz von Materialien, die ihre Formen durch ihre Konsistenz gleichsam selbst hervorbringen. Aufgeschütteter Zementsand auf einer fast schwebenden Platte entwirft sich in eine Landschaft, die keiner weiteren Eingriffe und Formungen bedarf – jedes einzelne Partikel scheint einer unbestimmten Logik zufolge genau dort angeordnet zu sein, wo sein Platz ist."
Dr. Christiane Schürkmann & Anna-Lena Treese, 2016
Detail Certificate, 2018
Certificates
Lena von Goedekes Werke sind in ihrer Genese eng mit elektronischer Datenverarbeitung verknüpft. Sinnbildlich verdichtet sich dies in den Certificates im Fingerabdruck als Referenz zu unserem Dasein zwischen analoger und virtueller Welt: Der digitale Fingerabdruck als Spur unserer Onlineaktivität, das Entsperren des Touchscreens und der Touchscreen als solcher, der Finger als Zugang zur virtuellen Welt, in der paradoxerweise im Moment ihres „Betretens“ das Haptische und damit viele Ebenen der sinnlichen Wahrnehmung außen vor bleiben.
Detail Papercut, 2018
Papercuts
"Ihr bildnerisches Repertoire bezieht Lena von Goedeke aus ganz unterschiedlichen Referenzsystemen wie etwa den Naturwissenschaften, architektonischen Strukturen sowie digitalen Phänomenen, die sie beobachtet und für ihre Arbeiten akquiriert. (...) Mit der geduldigen Technik des Scherenschnitts vollzieht die Künstlerin den Prozess der Entstehung von Strukturen, Ordnungen und Mustern geradezu leiblich nach – diese entfalten sich langsam und planvoll. So sind die Arbeiten zugleich immer auch Modelle von bewegten Ordnungen beziehungsweise modellierte Zeit im Raum."
Dr. Christiane Schürkmann & Anna-Lena Treese, 2016
Wear 2, 2019
Tuschezeichnungen
Die Tuschezeichnungen aus den Serien „Kenzo“, „Wear“ und „Astra“ basieren auf demselben Raster. Die Werke durchlaufen jeweils verschiedene Entwicklungsprozesse im Bereich der digitalen Bearbeitung und der Realisierung auf Papier. Bei der Entstehung zwischen manuellem Entwurf und automatisierter Umsetzung hinterlassen Hardware, die Handschrift der Künstlerin sowie der Zeichenplotter ihre jeweils eigenen Spuren. Abweichungen von der Regelmäßigkeit des ursprünglichen Musters werfen Fragen nach Standardisierung, Perfektion und Individualität auf und verweisen auf die lebendigen Unschärfen in der Übersetzung von Ideen in das Digitale.

"So gibt es dann Fehlstellen, wo der Stift durch Papierwellen nicht ganz auflag, schwache Linien, wo die Tusche nicht schnell genug nachlief oder „Wischer“, wo sich Flusen an der Stiftspitze gesammelt haben. Auf diesem Weg produziert meine Rechner-Infrastruktur laufend Unikate, je mehr Energie ich händisch hineinstecke, um möglichst exakt zu arbeiten."
Lena von Goedeke, 2020